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Nachhaltige Anleihen

Während zu Beginn der Corona-Krise die Emission von grünen Anleihen stark eingebrochen ist, haben Social Bonds einen ungeahnten Boom erlebt. Wir haben unseren Nachhaltigkeitsexperten Marcus Pratsch gefragt, wie er die Entwicklung dieses Trends für die nächsten Monate sieht und warum er sogar von einer möglichen „Klimapandemie“ spricht.

Boom der Social Bonds: Nur ein Corona-Phänomen?

In den letzten Wochen konnten wir in der Presse regelmäßig über den Boom sozialer Anleihen lesen. Was genau ist damit gemeint?
Social Bonds sind Anleihen, die in der Verwendung ihrer Mittel auf die Finanzierung sozialer und gesellschaftlicher Zwecke festgelegt sind – von gesundheitlicher Versorgung über finanzielle Hilfen für Mittelständler und Privathaushalte bis hin zur Schaffung einer zukunftsfähigen sozialen Infrastruktur. In Zeiten von Covid-19 hat diese spezielle Form von Nachhaltigkeitsanleihen zusätzlichen Rückenwind erhalten. Wie die vergangenen Wochen gezeigt haben, sind sie ein geeignetes Finanzierungsinstrument, um die ökonomischen und sozialen Auswirkungen der Corona-Krise abzuschwächen und zu bekämpfen.

 

Wurde dieser Trend allein durch die Corona-Krise ausgelöst?
Wir haben den Diversifizierungseffekt bei nachhaltigen Anleihen unter dem Motto „Green goes Rainbow“ tatsächlich schon 2018 und 2019 gesehen – wenn auch auf einem niedrigeren Niveau. In den Vorjahren war das Wachstum des Emissionsvolumens von Green Bonds jedoch weltweit deutlich höher als das von Social Bonds oder Nachhaltigkeits-Bonds. Im März dieses Jahres ging das Neuemissionsvolumen dieser Umweltanleihen jedoch stark zurück und lag mit knapp vier Milliarden Dollar fast 70 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das lag daran, dass potenzielle Neuemittenten im Markt aufgrund der Pandemie ihre geplanten Emissionen verschoben haben. Zudem haben zu Beginn der Corona-Krise Anfang 2020 viele supranationale Institutionen, wie beispielsweise große internationale Förderbanken, ihren Funding-Schwerpunkt hin zu sozialen Themen verlagert. Weitere sind ihrem Beispiel gefolgt, so wie beispielsweise die Municipality Finnland, die wir jüngst bei der Emission ihres ersten Social Bond begleitet haben. Dies war darüber hinaus die erste Sozialanleihe eines nordischen Finanzinstituts. Insofern kann man sagen, dass die Corona-Krise den Boom der Social Bonds zwar nicht angestoßen, ihn aber innerhalb kurzer Zeit stark beschleunigt hat.

Marcus Pratsch, Head of Sustainable Bonds & Finance bei der DZ BANK

Konnte die DZ BANK mit ihrer Expertise im Sustainable-Bond-Markt von dem Boom sozialer Anleihen profitieren?
Wir haben einige Social-Bond-Transaktionen begleitet und neue Mandate gewonnen. Und dies schon sehr früh. So hat uns auch die International Finance Corporation (IFC) für den weltweit ersten „Corona-Bond“ zur Unterstützung der vom globalen Ausbruch von Covid-19 betroffenen Ländern mandatiert.

 

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung von grünen Anleihen ein?
Seit Ende April hat sich der Markt für grüne Anleihen erholt. Das ist auch gut so, da gerade im Zuge der konjunkturellen Erholung Klima- und Umweltziele nicht außer Acht gelassen werden sollten. Nach dem Lockdown sind die CO2-Emissionen wieder stärker gestiegen als zu Vor-Corona-Zeiten – man spricht hier von einem sogenannten „Rebound“-Effekt, den wir auch schon nach der Finanzkrise erlebt haben. Wenn wir weiterhin die ökologischen Ziele vernachlässigen, könnte uns sogar eine „Klimapandemie“ drohen. Ökologische und soziale Ziele sind eng miteinander verwoben. Deshalb empfehlen wir unseren Kunden für die Strukturierung nachhaltiger Anleihen, ein umfassendes Nachhaltigkeits-Framework aufzubauen, das auf die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen einzahlt. Darin werden Themen wie beispielsweise die Bekämpfung von Armut, bezahlbare und saubere Energie, nachhaltiger Konsum und Produktion oder Gesundheit und Wohlergehen abgedeckt. Wir prognostizieren, dass der Markt für nachhaltige Anleihen weltweit innerhalb eines Jahres sein rasantes Wachstum fortsetzen und dann auch insgesamt breiter wird.